Unser Teich

Die einzige Möglichkeit, um die Pflegearbeiten des Werk-Teiches, der von AGH-Teilnehmern angelegt wurde, von AGH-Teilnehmern weiterführen zu können, war das Anbringen einer Webcam (08/2014). Dadurch wurde der Forderung des Jobcenters nachgekommen, das öffentliche Interesse des Werk-Teiches zu verstärken.

Presseartikel HAZ, 24.06.2014:

Der Teich wurde im Juli 2014 neu gestaltet und mit einer neuen Folie ausgelegt:



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Hier kann man sich dazu passende Youtube-Video anschauen.

In dem Teich sind zurzeit folgende Fische enthalten:

                 Goldfische, Goldorfen, Koi, Welse

Die Goldfische (Giebel), Goldorfen (Aland) und der Koi gehören in die Familie der Cyprinidae (Karpfenfische), die Welse gehören zu der Familie der Ictaluridae (Katzenwelse).

In der Uferzone findet man unterschiedliche Wasserpflanzen, die wir vom Schulbiologiezentrum gespendet bekommen haben. Interessierte können die  „Steckbriefe” der Pflanzen über die Website des Schulbiologiezentrums unter Arbeitshilfen einsehen.

Ökologische Bedeutung urbaner, künstlicher Kleingewässer für Biodiversität und Mikroklima im innerstädtischen Bereich, am Beispiel des Werk-Teiches auf dem Gelände des Werkstatt-Treffs- Mecklenheide e. V..

von Andreas Voigt

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Ökologische Bedeutung von Kleingewässern
  3. Lage des Werk-Teichs
  4. Beschaffenheit und Arten
  5. Bedeutung des Werkteichs für Artenvielfalt und Mikroklima
  6. Bewertung

 

1. Einleitung

Seen und Flüsse sind als Biotope für unsere Umwelt von enormer Bedeutung.
Aber auch stehende und fließende Klein- und Kleinstgewässer wie Bäche, Weiher, Teiche, Todeislöcher, Sölle und Laken, sind als Inselbiotope in der Vernetzung der Naturräume bedeutend für Artenvielfalt und Mikroklima.
In urbanen Räumen können Zierteiche, Badeteiche und Gartenteiche, sofern sie naturnah angelegt sind, Teile dieser wichtigen Funktionen übernehmen.

Abb. 1 Klassifizierung von Gewässern

1280px-Gewaesserdiagramm

2. Ökologische Bedeutung von Kleingewässern

Früher waren Kleingewässer allgegenwärtig. Auf vielen landwirtschaftlichen Flächen befanden sich Wasseransammlungen.
Perennierende Kleinweiher mit stark schwankender Wasserführung, periodische Herbst- Winter-Frühjahrs-Tümpel mit kurzer Trockenperiode im Sommer und periodische Früh-jahrs-Tümpel mit Wasserführung nur nach der Schneeschmelze. In jedem Flecken gab es Dorfweiher und Löschteiche die, je nach Bewirtschaftung und Wasserstand, eine mehr oder weniger große Artenvielfalt aufwiesen.
Diese Kleingewässer sind in unserer Landschaft heute sehr selten geworden. In den vergangenen 50 Jahren sind 70-85 % der stehenden Kleingewässer in Deutschland zerstört worden, um „Bewirtschaftungshindernisse“ in der Feldflur zu beseitigen, Platz zu schaffen für den Straßenbau oder um ein vermeintliches Stechmückengewässer aus dem Felde zu räumen. Manchmal wurde auch nur eine billige Bauschuttkippe gesucht.
Die Folge ist eine ökologische Verarmung. Mit den Kleingewässern verschwanden auch ihre Tiere und Pflanzen  die sich heute auf den „Roten Listen“ gefährdeter und verschollener Arten wiederfinden.
Die Bedeutung solcher Gewässer ist durch die heutige Zurückbesinnung auf die Natur wieder ins Bewusstsein gelangt. Daher ist das Anlegen künstlicher Klein- und Kleinstgewässer als Trittsteinbiotope zu begrüßen.

Abb. 2 Schematische Darstellung: Trittsteine und Grünkorridore zwischen Biotopen

ABB. 2 

 

Sie bieten die Möglichkeit der Ausbreitung und Wiederansiedlung von Arten.
Durch parabiotische Vorgänge z.B. der Phoresie (Vorübergehende Transportge-meinschaften zwischen unterschiedlichen Arten), funktioniert das nicht nur bei nah beieinander liegenden Naturräumen. Beispiele dafür sind der Transport von Laich im Gefieder von Vögeln oder Kletten im Fell von Säugetieren.
Die Möglichkeit der Abwanderung adulter Tiere auf Grund von Überpopulation ist durch solche Trittsteinhabitate gewährleistet. Dadurch können sich Bestände vergrößern und ausweiten. Durch diese Erweiterung des Genpools ist das Überleben von Arten gesichert auch wenn Population eines Standortes vernichtet werden sollte.
CO2-Absorbtion, die Wirkung Staub zu filtern und die Verdunstung der Kleingewässer und der umgebenden Böden und Pflanzen, wirken sich positiv auf das Klima allgemein, und auf die Mikroklimate in der Stadt aus.
Dank ihrer überschaubaren Größe sind Kleingewässer gut geeignet für die Darstellung ökologischer Vorgänge. Besonders für Kindergärten und Schulklassen bietet sich eine Einbeziehung in den Unterricht an, zumal die künstlichen Teiche oft in bewohntem Gebiet liegen und somit fußläufig erreichbar sind.
So wird der Sinn für ökologische Vorgänge geschärft, denn, “Nur was man kennt, kann man schützen“.

 

3. Lage des Werk-Teiches

Der Werk-Teich in seiner heutigen Form wurde 2015 vom Werkstatt-Treff-Mecklenheide (WTM) angelegt.
Er befindet sich im Westen Hannovers Stadtmitte im Stadtteil Hainholz (N52°24´, E 9°42´). Er liegt auf dem Gelände des WTMs und wird auch vom WTM betreut.
Naturräumlich befindet sich der Werk-Teich im Weser-Aller-Flachland, auf der Engelbosteler Moorgeest, einem Teil der Hannoverschen Moorgeest.
Man kann den Teich als kleinen ökologischen Trittstein zwischen Leine und Mittellandkanal betrachten. In unmittelbarer Nähe befinden sich Kleingärten, teilweise ebenfalls mit Teichen, (ca. 50 m) sowie die Freiluftschule Burg (ca. 250 m) und das Schulbiologiezentrum (350 m), mit Wald und Wiesenflächen. In kurzer Entfernung (ca. 200 m) fließt der Obere Stöckener Bach, der periodisch Wasser führt und in die Leine mündet. Wenn die Leine Hochwasser führt, drückt sie Wasser in den Stöckener Bach zurück, dieser fließt dann zeitweise bergauf. Teilweise fließt der Bach leider unterirdisch und in Rohren. Als Wanderungskorridor um die anthropogen überprägte Zwischenlandschaft zu überwinden ist er daher nur bedingt geeignet.

 

4. Beschaffenheit und Arten

Die Wasseroberfläche der Folienanlage des Werk-Teiches misst etwa 50 qm und er enthält circa 10.000 Liter Wasser welches über eine Umwälzpumpe und Filteranlage aufbereitet wird. Er ist in eine Tiefenzone und eine Flachwasserzone gegliedert und mit hydrophilen Arten bepflanzt.
Als Fischbestand sind Giebel und Alande, in den Farbvariationen Goldfisch und Goldorfe sowie Kois und Welse besetzt.
Der Uferbereich ist mit Gräsern bepflanzt und mit Topfpflanzen und Kieselsteinen gestaltet. An der Westseite befindet sich eine Trockensteinmauer.
Auf dem Gelände in der näheren Umgebung wachsen unter anderem, Pyramidenpappeln und Weiden.

Pflanzenarten u.a.:                                                   

Gemeiner Tannenwedel                                          
Dreifurchige Wasserlinse                                         
Wasserminze                                                           
Sumpf Vergissmeinnicht                                          
Flatterbinse
Gelbe Teichrose
Sumpfschwertlilie
Krebsschere
Kalmus
Rohrkolben
Kleine Wasserlinse
Gemeines Hornblatt
Pyramidenpappel
Silberweide
Kirschlorbeer

Tierarten u.a.:

Aland
Giebel
Koi
Wels

5. Bedeutung des Werk-Teiches für Artenvielfalt und Mikroklima

Wie eingangs erwähnt kann man den Werk-Teich als Trittsteinbiotop betrachten. In seiner Lage zwischen Kanal und nördlicher Stadtleine kann er als Rastplatz oder in Verbindung mit dem Oberen Stöckener Bach, als Teil eines Wanderungskorridors zwischen Grünzügen bezeichnet werden.
Aufgrund des fehlenden Zu- und Abflusses, und der durch naturräumliche Bedingungen relativ isolierten Lage, gilt dies für Fische und Säugetiere allerdings nur bedingt.
Fischlaich könnte im Gefieder der trinkenden und badenden Vögel an andere Gewässer transportiert werden, was in diesem Fall allerdings nicht wünschenswert wäre, da es sich bei dem Fischbesatz ausschließlich um allochtone Arten handelt, die perspektivisch einheimische Arten verdrängen könnten.
Durch die hohe Besatzdichte der Fische gibt es kaum Wasserinsekten und keine Amphibien, da die Laichgelege der Frösche, Lurche und Molche, sowie der Larven der Insekten von dem Überbesatz komplett als Nahrung aufgenommen werden.
Als verlässliches Trinkwasserreservoir und als Ruhe- und Rastplatz in den Abend, Nacht- und Morgenstunden erfüllt der Teich aber durchaus eine wichtige Funktion.
Die Wirkungen auf Klima und Mikroklima durch Kleingewässer in ihrer Gesamtheit sind nicht zu unterschätzen.
Die Wasserfläche und die Grünpflanzen des Werkteiches beeinflussen allein durch Transpiration der Pflanzen und der Evaporation des Wassers das Mikroklima.
Böden und Grünflächen haben eine C02 speichernde Funktion.
Hinzu kommt die Staub filternde Wirkung der Grünpflanzen und der Bäume. Diese führt zur Luftverbesserung und wirkt positiv auf das Klima.
Eine der benachbarten Pappeln kann etwa 100 Kilo Staub im Jahr binden.
Auch der Wasserhaushalt wird insbesondere durch die Interzeption, das Zurückhalten von Wasser in Baumkrone und Stamm, in den Pappeln und den anderen Grünpflanzen günstig beeinflusst.

 

6. Bewertung

Der Werk-Teich des WTMs hat, wie andere Kleingewässer, eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für Artenerhaltung, Biodiversität und Klima.
Dies ist nicht immer im Einzelnen ersichtlich aber in der Gesamtheit der Kleinbiotope eindeutig. Es sind für viele Arten wichtige Ruhe- und  Versorgungszonen in der anthropogenen, urbanen Zwischenlandschaft.
Durch stärkere Orientierung an natürliche Gegebenheiten, insbesondere der Öffnung  versiegelter Flächen, Verringerung und Anpassung des Fischbestandes können diese Effekte verstärkt werden. Auch der Einsatz von Pumpen muss evtl. neu bewertet werden, da sie zwar zur Sauerstoffanreicherung nützen, gleichzeitig aber in den Propellern Kleinorganismen zerstören. Alternativ wären Pumpen nach dem Prinzip der archimedischen Schraube, angetrieben durch ein Solarpanel, schonender.
Eine Renaturierung des Oberen Stöckener Bachs, wie am bachabwärts gelegenen Lauf schon erfolgt, wäre für eine weitere Vernetzung von Biotopen wertvoll.

 

Literaturverzeichnis

www.aid.de/landwirtschaft/biotop_kleingewaesser.php

www.klsgewaesserschutz.de/fileadmin/user_upload/kls/veroeffentlichungen/galabau_03_08.pdf

Drews, R. & H. Ziemek (1995): Kleingewässerkunde. Eine praktische Einführung. Reihe: Biologische Arbeitsbücher, Band 41, 146 S., 2. Auflage. Quelle & Meyer, Wiesbaden

.schwerdtfisch.net/index.php?option=com_content&view=article&id=83&Itemid=107

bnb-nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/BNB_Steckbriefe-Aussenanlagen/BNB_AA2012-1_111.pdf