Weiße Botschaft beim Tag der Niedersachsen

 

Der WTM schickte die weiße Botschaft während des Tags der Niedersachsen in den Pavillon des Paritätischen Niedersachsen. Der Tag der Niedersachsen war eine dreitägige Veranstaltung vom 10.-12.06.2022 in Hannover. Zwischen Maschsee und Rathaus wurden bis zu 500.000 Besucher*innern erwartet.
Die weiße Botschaft – eine soziale Skulptur von Joy Lohmann
„Die weiße Botschaft", das sind sieben lebensgroße, gesichtslose weiße Figuren. Sie stehen für die Millionen Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung betroffen sind und sollen sie im öffentlichen Raum sichtbar machen.
Die sieben Figuren stehen für Betroffene jeden Alters, Geschlechts und jeder Lebenslage: vom Kind bis zum älteren Menschen, Alleinerziehende (fast ausschließlich Frauen), Menschen mit Einschränkungen, solche, mit und ohne Ausbildung, mit Migrationshintergrund und ohne. Allen gemein ist: Sie wollen Teilhabe. Sie wollen arbeiten.
Der Werkstatt-Treff Mecklenheide e.V. (WTM) hat fast 40 Jahre Erfahrung mit der Arbeit mit Langzeitarbeitslosen und ihren vielfältigen und oft gravierenden Alltagsproblemen. „Diese Menschen werden ja eher aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt, was bei der Reintegration überhaupt nicht hilfreich ist,“ erklärt die WTM Geschäftsführerin Astrid Schubert. Deswegen habe der WTM bereits 2017 den Hannoveraner Künstler Joy Lohmann gebeten, sich dem Thema der sozialen Benachteiligung anzunehmen und das künstlerisch umzusetzen, erläutert sie. Lohmann schafft Kunst für den öffentlichen Raum und war deswegen prädestiniert für ein solches Projekt. „Die weiße Botschaft“ ist seither immer wieder an verschiedenen Orten in Hannover platziert gewesen.
Die Probleme langzeitarbeitsloser Menschen sind facettenreich. Physische und psychische Probleme, finanzielle Probleme (das Geld ist immer knapp), oft in Form hoher Schulden, familiäre Probleme, soziale Destabilisierung und Ausgrenzung. „Das sind alles keine angenehmen Dinge,“ weiß Schubert, „aber irgendwer muss Verantwortung übernehmen. Dazu muss man das Problem aber erst Mal wahrnehmen“.
Dass es bei den Langzeitarbeitslosen oft zu einer Häufung verschiedenster Probleme kommt – das Jobcenter spricht dann von multiplen Vermittlungshemmnissen, liegt fast ausschließlich daran, dass diese Menschen keinen Zugang zur Arbeitswelt haben. „Wir unterstützen natürlich die Wohlfahrtsverbände in der Forderung nach einem Ausbau und einer Verstetigung des sozialen Arbeitsmarktes, sagt Frau Schubert und fügt hinzu: „Arbeit zu haben löst zwar nicht alle Probleme, aber doch viele. Arbeit gibt den Menschen Würde zurück, stärkt das Selbstvertrauen und aktiviert die Menschen, das eigene Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.“
Es wird in letzter Zeit immer häufiger von der sozial-ökologischen Transformation der Gesellschaft gesprochen. Ein deutliches Sinken der Langzeitarbeitslosigkeit wäre ein vielversprechendes Indiz für ein Gelingen dieser gewaltigen Aufgabe. Soziale und ökologische Nachhaltigkeit, das steht beim WTM von Beginn an, also seit 1984, im Zentrum des Handelns. Frau Schubert freut sich: „Das verbindet uns auch in besonderer Weise mit Joy Lohmann. Seine Projekte zielen auf soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Umweltthemen.“
In Deutschland sind über 13 Millionen Menschen armutsgefährdet, mehrere Millionen leben von Grundsicherung und über eine Million sind langzeitarbeitslos.