Podiumsdiskussion

(Donnerstag, 10.08.2017)



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Ein großes Podium für die Zukunft von Langzeitarbeitslosen im Stadtteiltreff Sahlkamp

Gäste aus der Region Hannover, aus der Politik und Träger von Beschäftigungsmaßnahmen diskutierten zum Thema Eingliederungsleistungen für Langzeitarbeitslose

Rund 100 interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer füllten am Donnerstag, den 10. August den Saal des Stadtteiltreffs Sahlkamp, um die Podiumsdiskussion zum Thema „Eingliederungsleistungen für Langzeitarbeitslose - Fördern oder Verwalten” zu verfolgen. Die Koordinationsrunde Sahlkamp, ein stadtteilorientiertes Netzwerk hatte in Kooperation mit der LAG Soziale Brennpunkte Niedersachsen e.V., der Landesarmutskonferenz Niedersachsen und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Hannover zu der Veranstaltung eingeladen, um die Auswirkungen des sperrigen Themas „Eingliederungsleistungen für Langzeitarbeitslose” mit Gästen aus Politik, Jobcenter und Region sowie mit Trägern von Beschäftigungsmaßnahmen zu diskutieren.



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Der Hintergrund: Seit Jahren kommen die Jobcenter der Region Hannover nicht mit ihrem Verwaltungshaushalt aus. Völlig gesetzeskonform werden zur Deckung dieser Kosten Mittel für die Verwaltung eingesetzt, die eigentlich für die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen (Eingliederungstitel) verwendet werden sollen.

Nachdem im Bereich der Jobcenter Region Hannover im letzten Jahr deshalb 15 Millionen Euro aus dem Eingliederungstitel umgeschichtet wurden, um Personal, Mieten und Heizkosten zu decken, wurde den Trägern von Maßnahmen für Langzeitarbeitslose im Frühjahr 2017 angekündigt, dass die Kürzung in diesem Jahr 23 Millionen Euro betragen wird. Die Folgen sind Kürzungen von Maßnahmeplätzen und Veränderungen in der Ausgestaltung von Maßnahmen.

Der Werkstatt-Treff-Mecklenheide e.V. (WTM) - seit 33 Jahren ein Träger von Beschäftigungsmaßnahmen– hatte deshalb Alarm geschlagen. Keine Planungssicherheit und eine Ausgestaltung der Förderung von Maßnahmen, die an den Bedarfen der Träger vorbei geht, sind die Hauptprobleme für die Träger, die auch zu einer finanziellen Schieflage führen. Der WTM, Betreiber von vier Sozialkaufhäusern - eines davon auch im Stadtteil Sahlkamp - war bereits im letzten Jahr auf Zuschüsse angewiesen und kommt durch die aktuellen Einschränkungen auch in diesem Jahr in starke Bedrängnis.

Vor einem aufmerksamen Publikum, dem neben vielen Mitgliedern verschiedener Träger auch etliche betroffene Langzeitarbeitslose beiwohnten, führte die Journalistin Vera König die Podiumsgäste souverän durch den Abend. Der Werkstatt-Treff-Mecklenheide e.V. (WTM) wurde auf dem Podium von Astrid Schubert, Geschäftsführender Vorstand und dem Vorstandsvorsitzenden Michael Kranz vertreten. Beide stellten die unmittelbaren Folgen durch die Veränderungen der Eingliederungsleistungen engagiert und eindrucksvoll aus der Sicht der Träger dar. Astrid Schubert berichtete: „Vom Jobcenter wurden kurzfristig die Betreuungsschlüssel von Sozialarbeitern und Arbeitsanleitern geändert, so dass beim WTM im Frühjahr, wie bereits aus der Presse bekannt, vier von neun Sozialarbeitern gehen mussten. Die Folgen sind jetzt überlastete Sozialarbeiter und Arbeitsanleiter. Eine langjährige unbefristet angestellte Anleiterin hat aus diesem Grund gekündigt.”

Michael Kranz, Astrid Schubert, Peter Waldburg

Peter Waldburg, Sprecher des Trägerverbundes der Region Hannover bestätigte, dass mehr oder weniger stark alle Träger ähnlich betroffen seien. Erwin Jordan als Vertreter der Region Hannover und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Jobcenter hat die Vorgehensweise des Jobcenters begründet und verteidigt. Ebenso wie Michael Stier - Geschäftsführer der Jobcenter Region Hannover - hat er Verständnis für die Träger bekundet. Michael Stier teilte mit, dass der Umschichtungsbetrag zurzeit „nur” noch bei 19 Millionen Euro anstelle von 23 Millionen Euro liege und die freigewordenen Gelder an die Träger weiter gegeben würden. Dazu fanden bereits im Vorfeld der Podiumsdiskussion Gespräche mit Trägern statt. Die Bundestagskandidaten Maximilian Oppelt (CDU), Swantje Michaelsen (Grüne), Ulla Ihnen (FDP) Hans-Herbert Ullrich (Linke) und MdB Kerstin Tack (SPD) sprachen sich in der Diskussion in ungewohnter Einhelligkeit dafür aus, dass einerseits die Mittel für die Verwaltung der Jobcenter ausreichend sein müssten und andererseits für die Träger Planungssicherheit nötig sei. Die Bundesregierung müsse nach der Bundestagswahl im September die entsprechenden Weichen stellen. Der WTM und die anderen Maßnahmeträger werden die weitere Entwicklung der erforderlichen politischen Beschlüsse auf Bundesebene genauso beobachten wie auch die Koordinationsrunde Sahlkamp und die Jobcenter. Nach einer zweistündigen regen Diskussion ließ Regionsdezernent Jordan verlauten, er werde die Podiumsgäste zu einer Party einladen, wenn wahr wird, was die in den Bundestag strebenden Politiker bekundeten.

Presse:

http://www.jobcenter-region-hannover.de/site/disa/